St. Pauli Logo
Boxabteilung FC St. pauli
Totenkopf St. Pauli
Die Boxabteilung des FC St. Pauli von 1910 e.V. - Harald-Stender-Platz 1 - 20359 Hamburg
Startseite
Der FC St. Pauli
Die Boxabteilung
Aktuelles aus der Abteilung
Trainerteam
Trainingsregeln
Trainingszeiten & -orte
Probetraining
Trainingsgruppen
Anfänger
Fortgeschrittene
Leistungs- & Wettkampfsport
Kämpferliste
Kampfberichte
True School Boxing Oktober 2011
Lonsdale
aureos-Sportstudio
Bildergalerien
Videos
Interviews
Geschichte des Boxens
Lexikon des Boxens
Gewichts- & Altersklassen
Wettkampfbestimmungen
Beitrag & Eintritt & Austritt
Satzung & Abteilungsordnung
FAQs
Links & Literatur
Newsletter abonnieren
Kontaktformular
Impressum & Ansprechpartner
Start > Geschichte des Boxens

Eine kleine Geschichte des Boxens
von der Antike bis zur Gegenwart

Von unserem Mitglied Max Evers


Als Ende des 17. Jahrhunderts in englischen Zeitungen das erste Mal überhaupt das Wort »boxing« zu lesen ist, hat der Faustkampf gerade eine eineinhalb Jahrtausende währende Flaute hinter sich. Nun jedoch floriert in England das so genannte »prize fighting« als Rummelplatzattraktion und Wettgelegenheit. Aus diesem Freizeitvergnügen erwachsen bald erste Organisationsstrukturen und Regelwerke, die Grundlage dessen sind, was wir heute unter Boxen verstehen, aber, wie bereits angedeutet, der Ursprung des Boxens liegt weitaus länger zurück.

Das Boxen in der Antike

Die ersten überlieferten Belege für Faustkämpfe stammen aus den mesopotamischen Hochkulturen. Somit wäre das Boxen – wir befinden uns auf dem Zeitstrahl bei 5000 bis 4000 v. Chr. – in etwa genauso alt wie eine andere Kulturtechnik, die wir dieser Epoche verdanken: die Schrift.

Einen ersten Boxboom werden die Alten Griechen zelebrieren. Getreu der Überzeugung, dass der sportliche Wettstreit göttlichen Ursprungs sei, stehen bei der irdischen Leistungsauslese die Reichen und Mächtigen vorne an. Boxer rekrutieren sich Boxen in der griechischen Antike
Boxdarstellung auf einer antiken griechischen Vase (Quelle: Wikipedia)
vornehmlich aus den gesellschaftlichen Eliten, und der Boxsport genießt höchstes Ansehen. Seine Protagonisten werden gefeiert und besungen, seine Stars in Stein verewigt. Der Autor eines frühen Kampfberichtes ist Homer, der in seiner »Ilias« einen »fight« anlässlich der Totenfeier des Patroklos beschreibt.

Das gesellschaftliche Prestige soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den damaligen Kämpfen um lange, harte und blutige Duelle gehandelt haben muss: als das Boxen 688 v. Chr. das erste Mal als olympische Disziplin ausgeübt wird, tragen die Boxer ein straff um die Knöchel der Hand gewickeltes Ledergeflecht, das einem Boxhandschuh zwar entfernt ähnelt, das jedoch aufgrund seiner Härte und unregelmäßigen Beschaffenheit umso mehr zu Riss- und Schnittwunden im Gesicht des Gegners führt. Weitere Ausrüstung, ja weitere Kleidung, ist im Wettkampf nicht vorgesehen. Die Kämpfe werden mit einem Minimum an Defensivarbeit absolviert, Körperschläge und mit Sicherheit auch das Klammern sind verboten. Zeitliche Begrenzungen oder Pausen gibt es keine. Es wird bis zum endgültigen Niederschlag oder bis zur Aufgabe eines Boxers gekämpft. Kämpfe mit Todesfolge sind keine Seltenheit, und Platon spricht sich, ganz Boxpurist seiner Zeit, in seinen »Gesetzen« dafür aus, dass der Totschlag ohne Sanktionen für den Boxer bleibt. Wozu die neuzeitlichen Engländer nochmals rund zweihundert Jahre benötigen werden, das haben die olympischen Griechen bereits fest im Regelwerk: den Ringrichter – bei ihnen eine Mischung aus Zeremonienmeister, Priester und Schiedsrichter.

Mit dem Niedergang der hellenistischen Kultur wird aus dem olympischen Wettkampf, der mit sakralem Ruhm lockt, eine blutige Variante der Gladiatur unter vielen. Das Boxen erfährt im Alten Rom das erste Mal einen Massenandrang an Publikum im Rahmen von »panem et circenses« (»Brot und Spiele«) und verschwindet genauso wie die anderen Gladiatorenkämpfe oder die Duelle Mensch gegen wildes Tier mit dem Aufkommen des Christentums aus den Arenen der westlichen Zivilisation.

Das Boxen in der Neuzeit

Für die Zeit des ständisch geprägten westlichen Mittelalters lassen sich Belege für ein Schattendasein des Faustkampfes als bäuerliche Variante der adligen Kampfspiele finden. Auch das dem Adel vorbehaltene Freiringen enthält boxerische Elemente.

Im großen Stil jedoch boxen als erste die Engländer wieder, und das Zentrum des Faustkampfes im neuzeitlichen 17. Jahrhundert ist London. Was auf den Rummelplätzen der Insel als bloße Volksbelustigung seinen Anfang genommen hat, entwickelt in den nächsten zwei Jahrhunderten nicht zuletzt aufgrund einer grassierenden und über alle Standesgrenzen hinaus wirksamen Wettleidenschaft soviel Zugkraft, dass man sich in allen Bevölkerungsschichten zusehends sowohl passiv als auch aktiv der »noble art of self defense« widmet. Der erste englische »champion« ist 1719 James Figg, ein Fechtlehrer, und das erste Regelwerk kommt noch gänzlich ohne Nennung von Handschuhen (es wird »bareknuckle« gekämpft), Ringrichter oder gar Ringarzt aus. Die London Prize Ring Rules von 1838 legen Ringgröße und Länge eines Durchgangs fest. Kopfstöße und Tiefschläge sind verboten. Es wird solange gekämpft, bis einer der Boxer zu Boden geht, der Niedergeschlagene hat drei Sekunden, um wieder in den Kampf zurückzukommen. Kämpfe mit über 50 und bis zu 100 Durchgängen stellen ein für damalige Topathleten realistisches Pensum dar.

Boxen in England
Englisches Boxen im 19. Jahrhundert (Quelle: Wikipedia)

Wiederholt werden Kampfveranstaltungen gerichtlich verboten, da eine zum Teil entsetzte Öffentlichkeit sich schwer damit tut, einen Unterschied zwischen den bareknuckle-Kämpfen und schnöden Straßenschlägereien auszumachen. Dessen ungeachtet bildet sich eine rege Boxszene, die, ähnlich der heutigen, aus professionals, amateurs, Fans und Veranstaltern sowie ersten leidenschaftlichen Berichterstattern besteht.

Im damaligen Zusammenhang bezeichnet das Wort »amateur« einen aktiven Boxer, der, zumeist edler Herkunft, es sich leisten kann, seinen Sport aus reiner Liebhaberei, just for fun, auszuüben, während der Hausdiener, der Soldat oder der Bäckergeselle als »professional« gilt, wenn er auch nur einen Schilling Kampfbörse erhält. Entsprechend den damaligen sozialen Gegebenheiten ist das gesellschaftliche Ansehen des amateurs in der Regel um einiges höher als das des professionals. (Im Vergleich hiermit bleibt beispielsweise der Faustkampf im ostslawischen Kulturraum bis ins frühe 20. Jahrhundert eine fast ausschließlich von der bäuerlichen Landbevölkerung oder der städtischen Arbeiterschaft ausgeübte Freizeitbeschäftigung, bei der sich ganze Dorfgemeinschaften oder Fabrikbesatzungen in ritualisierten Massenboxereien gegenüberstehen.)

Durchbruch im Boxen: Die Queensberry-Regeln

Damit die prize-ring-Veranstaltungen ihren Status als bestenfalls halblegale Undergroundevents loswerden, braucht es ein anderes Image und hierzu ein ausgefeilteres Regelwerk, das Sportsgeist und fairplay widerspiegelt. 1867 entwirft der damalige Marquis of Queensberry ein Reglement, das die Grundlage für den heutigen Boxsport bildet. Dieses sieht gepolsterte Lederhandschuhe und eine Gliederung in Gewichtsklassen vor. Kämpfe werden in dreiminütige Runden eingeteilt mit jeweils einminütigen Pausen. Kann sich ein Boxer nach einem Niederschlag nicht innerhalb von zehn Sekunden soweit erholen, dass er den Kampf fortsetzen kann, so ist der Kampf entschieden. Über die Kombattanten wacht ein Ringrichter.

Das 19. Jahrhundert sieht eine Verbreitung des Boxsports über den europäischen Kontinent und vor allem in den Vereinigten Staaten. Als Geburtsstunde des modernen Boxsports wird der 1892 in New Orleans ausgetragene Weltmeisterschaftskampf zwischen dem Boston Strongkid John L. Sullivan und dem Engländer Gentleman Jim Corbett angesehen, da er den endgültigen Abschluss der bare-knuckle-Ära markiert. - Sullivan selbst hatte während seiner Karriere noch mit bloßen Fäusten gekämpft, seinen Titel gegen Corbett jedoch mit Boxhandschuhen an den Händen durch K.o. in der 21. Runde verloren.

Bei den Olympischen Spielen des Jahres 1904 wird wieder geboxt, und in Deutschland organisiert sich nach der Aufhebung des polizeilichen Wettkampfverbots 1908, und neben dem hierzulande dominierenden Turnsport zunächst zögerlich, der Amateurboxsport. Namentlich in Hamburg finden erste Wettkämpfe und Turniere unter der Aufsicht des soeben gegründeten Deutschen Box-Verbandes statt.

Die Goldenen Zwanziger: Boxen als Massenevent

Boxen in den 20er Jahren
1921: Dempsey vs. Carpentier (Quelle: Wikipedia)

Die 1910er und -20er werden zu einer Blütezeit des Berufsboxens und die champions dieser Dekaden sind die ersten multimedial aufgebauten Sportstars der Moderne: Black Jack Johnson, als lange unschlagbarer schwarzer Schwergewichtsweltmeister eine stete Provokation / Sensation für das rassengetrennte Amerika, Jack Dempsey, der bis zu 120.000 Zuschauer in die Arenen lockt und vom jungen Bert Brecht im fernen Berlin bewundert wird, Gene Tunney schließlich, der auch außerhalb des Rings – Shakespeare zitierend und Bücher lesend – so interessant erscheint, dass er zum Liebling der Medien wird.

»Es gibt nur einen Gott: Muskel! Und Tempo ist sein Prophet!«, umschreibt der Berliner Dramatiker Paul Gurk 1927 den Sport- und Boxwahn im Deutschland. Boxen gilt als jung und amerikanisch und wird Teil des Zeitgeists, der Boxer zum »Kulturträger« und Inbegriff des modernen Mannes. Ganze Pulks von Künstlern und Intellektuellen sitzen allabendlich im Zuge dieses Trends ringside, lassen sich vom Boxen inspirieren und boxen nebenher nicht selten selbst. Marlene Dietrich und Fritz Kortner trainieren in Boxgyms, Boxfan George Grosz porträtiert den jungen Max Schmeling, Brecht dichtet Oden an Schwergewichtsweltmeister und arbeitet mit Paul Samson-Körner an dessen Biographie. In Berlin erscheinen die Zeitschriften »Der Querschnitt. Magazin für Literatur, Kunst und Boxsport.«, herausgegeben vom Verleger Alfred Flechtheim, und »Arena«, deren Redaktion unter anderen aus Egon Erwin Kisch, John Heartfield und Schwergewichtsmeister Körner besteht. Populäre Boxer wie Hans Breitensträter und besonders Max Schmeling werden von der intellektuellen Schickeria Berlins vereinnahmt.

Boxen im Faschismus

In den 1930ern werden Profiboxkämpfe als wirkmächtigste Sportevents ihrer Zeit von Medien und Öffentlichkeit zu überlebensgroßen Abbildungsflächen für weltpolitische Spannungen gemacht: Primo Carnera oder Max Schmeling als Repräsentanten des erstarkenden Faschismus in Europa versus Max Baer oder Joe Louis als Symbolfiguren des freiheitlich-demokratischen Amerika.

Boxen ist, neben Jiu Jitsu, die einzige Sportart, die in Hitlers Mein Kampf Erwähnung findet. Der Boxsport boomt in Nazi-Deutschland. Für die Nationalsozialisten hat der Faustkampf größten erzieherischen Wert; er erscheint ihnen »wehrsportlich unentbehrlich« und wird Teil des Pflichtprogramms an Schulen, in der Stolperstein für den Boxer Trollmann
Stolperstein für den im KZ ermordeten Boxer Trollmann vor der Roten Flora in Hamburg (Quelle: Wikipedia)
Hitlerjugend und in der SA, die seit 1929 eigene Meisterschaften veranstaltet. Bei ihrer Begeisterung unterscheiden die Nazis zwischen dem Amateurboxen, das sich hervorragend ihren Idealen der »Volksgesundheit« und »Wehrertüchtigung« zuordnen lässt und andererseits dem Berufsboxen, das als »englischer Kirmessport« für sie per se den Ruf eines korrupten, durch Gewinnstreben pervertierten Metiers weg hat. Daher wohl beeilen sich gerade die professionals, vor dem neuen Regime gut dazustehen. Acht Wochen nach der »Machtergreifung« meldet sich der Verband Deutscher Faustkämpfer qua Verkündung neuer Statuten »judenfrei«: jüdische Funktionäre verlieren ihre Posten, jüdische Boxer ihre Mitgliedschaft, jüdische Veranstalter, Ringärzte, Manager werden von jeder Zusammenarbeit ausgeschlossen. Mindestens drei amtierende Deutsche Meister verlieren 1933 Titel und Beruf: Erich Seelig, jüdischer Mittel- und Halbschwergewichtsmeister, sein Nachfolger im Halbschwergewicht, der Sinto Johann Trollmann (der übrigens zuletzt 1933 im Floratheater auf dem Schulterblatt boxte) sowie Harry Stein, Federgewichtschamp und Jude. Stein und Seelig emigrieren, Trollmann stirbt im Konzentrationslager.

Nach dem Krieg wird zuerst das organisierte Verbrechen, später das Fernsehen zu einer bestimmenden Größe im international dominierenden amerikanischen Berufsboxen. Das eine verhilft dem Sport zu einem bleibenden, kapitalen Imageschaden, letzteres sorgt in Zusammenarbeit mit mittlerweile einem guten Dutzend internationaler Verbände für eine Radikalvermarktung, wie sie bei kaum einer anderen klassischen Sportart anzutreffen ist.

Der steinige Weg des Frauenboxens

Die stete Kritik, mit der dem Boxen seit seiner neuzeitlichen Wiederauferstehung begegnet wird, trifft einige Sportler regelmäßig besonders hart: nämlich die Boxerinnen. Internationale Profi- wie Amateurverbände und (männliche) Akteure recyclen immer wieder das Argument von einer »besonderen gesundheitlichen Schädlichkeit« des Boxens (etwas also, das ihnen selbst regelmäßig von Medizinern, Medien und Teilen der Öffentlichkeit vorgesetzt wird), um Boxerinnen aus dem Trainings- und vor allem Wettbewerbsbetrieb auszuschließen.

Nicht immer allerdings ist die Argumentation so fürsorglich formuliert: noch 1998 erklärt ein britischer Boxverband Frauen für schlichtweg ungeeignet, da diese menstruationsbedingt geistig labil seien - und wird dafür erfolgreich verklagt. Zwar sind Frauen nachweislich schon auf den besagten englischen Jahrmärkten aktiv daran beteiligt gewesen, das Boxen erneut aus der Taufe zu heben, doch bleibt es ihnen bis in die 1910er hinein oftmals versagt, einem Kampf auch nur zuzuschauen. Dass einige Boxpioniere zu dieser Zeit eine »Eignung« von Frauen für den Boxsport für selbstverständlich halten, ändert nichts daran, dass Frauen, die in den 20ern und 30ern tatsächlich boxen und auch öffentlich kämpfen wollen, ihre einzige Möglichkeit dazu auf der Bühne eines Varietetheaters erhalten.

Erst im Laufe der 1990er wird, von den Vereinigten Staaten ausgehend, das Frauenboxen langsam, nicht salonfähig, sondern, das ist ausschlaggebend, fernsehtauglich. Erste eigene internationale Verbände ermöglichen den Boxerinnen internationale Titelkämpfe im Profiboxen. In Deutschland besitzt wiederum die Stadt Hamburg die Freiheit und ist 1994 Austragungsort des ersten öffentlichen Amateurkampftages für Frauen in Deutschland. Freilich ohne die Unterstützung des Deutschen Amateurbox-Verbandes, der sich noch zwei weitere Jahre standhaft weigern wird. In der Folge entwickelt sich auch das professionelle Frauenboxen hierzulande und wird im Laufe der 90er nicht zuletzt aufgrund seiner ersten Stars wie Regina Halmich endlich für Publikum, Veranstalter und Fernsehen interessant.

2012 werden erstmals regulär Boxerinnen an den Olympischen Spielen in London teilnehmen: 40 Athletinnen stehen einander in fünf Gewichtsklassen und in eben der Stadt gegenüber, die schon über dreihundert Jahre zuvor Austragungsort der ersten dokumentierten Boxkämpfe der Moderne gewesen ist.

Lonsdale sponsort die Boxer des FC St. Pauli
Das aureos Sportstudio unterstützt die Boxer des FC St. Pauli
Folge dem BC Barraduda im FC St. Pauli auf facebook
English Turkish Russian Spain Polish French