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Die Boxabteilung des FC St. Pauli von 1910 e.V. - Harald-Stender-Platz 1 - 20359 Hamburg
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Interview mit Abteilungsleiter Ralf Elfering


Gemessen an den Mitgliedszahlen, kommt das Angebot des BCB an. Wo siehst Du den BCB in drei Jahren?

Mit Prognosen bin ich vorsichtig. Die Wachstumskurve wird sicherlich abflachen und ich denke, dass wir in ein oder zwei Jahren die Größe erreicht haben werden, die wir dann hoffentlich durch weiterhin gute Arbeit, gute Stimmung, ein erkennbares Profil und sportliche Erfolge auch halten werden. Freuen würde ich mich, wenn sich das Durchschnittsalter weiter verjüngen und sich der Anteil unserer boxenden Mädchen und Frauen weiter erhöhen würde.

Organisatorisch steht die Fortführung der Aufbauarbeit an. Konkret heißt das: Die weitere Verbesserung der Trainingsbedingungen. Da hat sich schon viel getan, vor allem in unserer Haupthalle haben wir schon recht gute sportliche Rahmenbedingungen schaffen können. Aber es gibt natürlich immer noch viele Dinge zu verbessern, auch an den anderen Trainingsorten.

Was wären Deine sportlichen Ziele für den BCB?

Boxwettkampf
Erfolg im Wettkampf: Belohnung für hartes Training
Zunächst an mehr Wettkämpfen teilzunehmen und mehr Wettkämpfer und Wettkämpferinnen auszubilden. Mit dem, was unsere Sportler bislang im Ring gezeigt haben, können wir qualitativ zwar mehr als zufrieden sein, aber es wird in Zukunft auch der quantitative Aspekt hinzutreten, damit die boxerischen Fähigkeiten durch Erfahrung und Routine profitieren und reifen.

Wie siehst du das Verhältnis von Wettkampf- zu Breitensport?

Ganz klar: Tragende Säule der meisten Boxvereine sind die sogenannten Breitensportler. Es ist eine Besonderheit des Boxens, dass nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz der Sporttreibenden den Entschluss zum Wettkampf trifft. In einem Fußballverein könnte man sich gar nicht vorstellen, dass 100 Leute trainieren, aber nur 5 bereit sind, auf dem Platz anzutreten. Beim Boxen ist es so. Für uns ist aber wichtig, dass der Unterschied zwischen Breitensportlern und Wettkampfsportlern nur ein gradueller ist und kein kategorialer. Das wesentliche Kriterium ist für uns der faire, verlässliche und ernsthaft-reflektierte Wille zum Boxen. Wer das zeigt, wird bei uns in besonderem Maße motiviert und gefördert – egal, ob das dann mal zu einem Wettkampf führt oder nicht. Wer sich für den Sport den Arsch aufreisst, ist Boxer. Punktum. Bewusst haben wir daher auch das Training so konzipiert, dass Breitensportler auch mit Wettkämpfern trainieren können. Das klappt auch gut, weil auf ein sportlich-faires Miteinander Wert gelegt wird. Außerdem haben wir den Leistungssportbereich auch für Sportler geöffnet, die sich zwar richtig fordern lassen wollen, für die Wettkämpfe aber kein Thema (mehr) sind.

Ringseile werden umwickelt
Gemeinsame Arbeit im Verein: Die Ringseile werden neu umwickelt
Ich weiß, dass Dir der sozialarbeiterische Aspekt von Vereinssport wichtig ist. Siehst Du Möglichkeiten und Bedarfe, diese in Deiner Arbeit für den BCB zu berücksichtigen?

Gute Frage. Ich glaube, dass ein gut funktionierender Verein an sich schon eine im weiteren Sinne pädagogische und integrative Funktion hat. Auch wenn das Wort »Verein« zugegebenermaßen etwas angestaubt klingt. Aber es ist eine freiwillige, demokratisch verfasste Gemeinschaft mit einem gemeinsamen ideellen Ziel. Es gibt Rechte, Pflichten, Verbindlichkeiten, Erwartungen und ein soziales Miteinander. Dabei begegnen sich verschiedene Charaktere, Kulturen und Milieus. So etwas ist schon klasse, denn anderswo in der Gesellschaft ist das nicht selbstverständlich. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ja, die Notwendigkeit der Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme – und damit also auch die Erfahrung der Teilnahme und Teilhabe. Ganz ehrlich: Man kann da in meinen Augen fürs Leben lernen.

Nachvollziehbar, aber das würde so erst einmal für jeden Verein gelten. Und was bietet speziell das Boxen?

Was das Boxen an sich betrifft, so bietet dieser Sport mit den dort möglichen Selbst- und Grenzerfahrungen natürlich ganz spezielle Potenziale. Das beginnt schon im ganz normalen Training und nicht erst im Wettkampf. Allerdings bin ich ehrlich gesagt etwas skeptisch angesichts des sozialromantischen Klischees: Sperrt die Hallen auf, gebt den »Problemkids« Boxhandschuhe, holt sie damit von der Straße und lasst sie ihr Adrenalin und ihre Wut verbrennen. Sorry, aber das ist mir etwas zu platt. Dieses Klischee blendet aus, dass Boxen als Sport physisch, technisch, taktisch, motorisch und mental sehr anspruchsvoll ist. Und es blendet auch aus, dass nicht nur sogenannte »Problemkids« vom Boxen und beim Boxen fürs Leben lernen können. Wir wissen doch: Wer es – in welchem Maß und Ziel auch immer – ernsthaft betreibt, wird da als ganze Person gefordert: mit Körper, Kopf und Bauch. Sich auf das Boxen so verbindlich einzulassen, das setzt schon so einige Fähigkeiten voraus, die nicht jeder von sich aus mit bringt, der es vielleicht von sich glaubt. Für den einen ist möglicherweise die große Herausforderung die Disziplin und Reflexion, ohne die es nicht geht, für den anderen vielleicht die Härte, die natürlich auch mal dazu gehört. Aber dieser anspruchsvolle Charakter ist doch gerade der springende Punkt. Über diese Hürde zu gehen, das erschließt dann doch erst das ganze »Bildungspotenzial« des Boxens: Sich für ein Ziel einzusetzen, sich quälen zu lernen, Ausdauer auch in der Motivation zu entwickeln, den eigenen Körper und Geist zu erfahren, Emotionen bei Sieg und Niederlage konstruktiv verarbeiten zu lernen, Verbindlichkeit und Vertrauen zu entwickeln, mit Frustrationen umgehen zu lernen, Härte ertragen zu lernen – das alles kann Boxen lehren. Aber das wird nur lernen, wer sich mit seinen jeweils eigenen Mitteln und Fähigkeiten ernsthaft auf den Weg begibt. Wir können das Angebot nur allen anbieten, die es aus ganz individuellen Gründen vielleicht faszinierend finden. Die Mühe, es anzunehmen und umzusetzen, können wir jedoch niemandem abnehmen. Natürlich berücksichtigen wir dabei immer, mit welcher Geschichte jemand kommt und welche Mittel jemand mitbringt. Wir bemühen uns, jeden dort abzuholen, wo er steht, wenn er es ernsthaft will. Niemand wird vor unlösbare Aufgaben gestellt, aber über gewisse Hürden muss jeder, der einen – vielleicht auch »nur« persönlichen – Erfolg erleben will.

Faustnacht 2008
Faustnacht: Boxen einmal in der Werkstatthalle statt in der Turnhalle
Mit Eurer Faustnacht-Veranstaltung habt Ihr damals ein Debüt gewagt, das, gemessen an den normalerweise üblichen Amateurboxveranstaltungen, eher unorthodox daher kam. Wird es so eine Verknüpfung von Sport, Kultur und Event auch in Zukunft beim BCB geben?

Veranstaltungen jenseits des üblichen Rahmens sind natürlich sehr aufwendig. Aber sie tragen andererseits dazu bei, dem Amateurboxen ein klein wenig aus der Nische zu helfen. Wobei ich mich aber auch sofort frage, ob dem Amateurboxen damit geholfen wäre, wenn alle Veranstaltungen plötzlich »Events« würden. Die Veranstaltungen haben schließlich ihren Charme, so wie sie sind: Man kennt sich, es ist preiswert, es gibt Filterkaffee mit Kondensmilch statt Latte Macchiato und Brötchen mit Frikadellen statt Antipasti oder Sushi, dazu ehrlichen Boxschweiß und Marmorkuchen. Was will man eigentlich mehr? Genau diesen Veranstaltungen würde ich mehr öffentliche Beachtung wünschen, denn schließlich wird da, meistens zumindest, ehrlich und engagiert geboxt – mit allen kleinen und großen menschlichen Dramen, die das Boxen so bietet. Okay, ab und zu kann es ruhig einen »Event« geben, wobei es da ja auch ganz unterschiedliche Ansätze geben kann. Und gerne versuchen wir zu gegebener Zeit auch mal wieder etwas in diese Richtung, wenn wir im Verein Lust dazu haben. Und wenn wir dabei ein wenig selbstironisch bleiben. Aber an erster Stelle stehen die Sportler und steht der Sport

Als ein Ziel hattest Du die weitere Verjüngung genannt. Wie bekommt man den Nachwuchs zum Boxen?

Zunächst einmal muss man junge Menschen für diesen Sport begeistern. Obwohl Boxen durchaus eine große öffentliche Aufmerksamkeit genießt, ist es gegenwärtig eine Randsportart, zumindest in diesem Land. Für viele ist Boxen eben mehr ein TV-Spektakel, dem man zuschaut, als dass man auf die Idee käme, es selbst einmal damit zu pobieren. Dabei glaube ich fest an die Möglichkeit, das Boxen als konkrete Sportmöglichkeit attraktiv zu darzustellen: Allein das Potenzial an Selbst- und Grenzerfahrung dürfte viele Menschen reizen, gerade auch Jugendliche. Und das Training ist vielseitig und anspruchsvoll für Körper und Kopf. Bei Licht betrachtet ist Boxen eine abendländische Kampfkunst, die Körper und Charakter schult und die Kraft mit Eleganz vereint. Wer kann sich z.B. schon so geschmeidig bewegen, wie Boxer es können? Boxen ist in Wahrheit extrem lässig. Dieses Potenzial verstärkt auch Jugendlichen aufzuzeigen, ist mein Ziel.

Support im Stadion
Brennende Leidenschaft für Braun-Weiß: Nicht nur im Stadion auslebbar (Foto: Antje Frohmüller)
Inwiefern fühlst Du Dich bei der Vereinsarbeit dem Geist des FCSP verpflichtet?

Sehr. Die spezielle Art und Weise, wie im und rund um den Verein Fußball interpretiert und gelebt wird, hat mich schon Jahre vor der Gründung der Boxabteilung zum »Sympathisanten« und Stadiongänger werden lassen – und das, obwohl ich mit Fußball, bis dahin zumindest, gar nicht so viel anfangen konnte. Das mit dem besonderen »Geist« des FCSP ist natürlich so eine Sache. Ein fast totgerittenes Klischee, vielleicht auch ein kollektives Placebo. Tatsache ist aber doch: Er ist irgendwie da, weil Menschen ihn wollen und immer wieder neu erfinden. Und an dieser ewigen Neuerfindung im kleinen Rahmen unserer Abteilung und unserer speziellen Sportart ein kleines bisschen mitwirken zu können, das macht enormen Spaß.

Lonsdale sponsort die Boxer des FC St. Pauli
Das aureos Sportstudio unterstützt die Boxer des FC St. Pauli
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